Hochspringen beim Hund: Ursachen und Lösungen

Hundewissen Hochspringen beim Hund: Ursachen und Lösungen

🐾 Verhalten hat immer eine Ursache

Verhalten entsteht nie einfach so. Kein Tier – und auch kein Mensch – verhält sich ohne Grund. Alles, was wir tun, hat einen Ursprung: ein Bedürfnis, eine Emotion oder eine Absicht.

Versuche einmal, bei dir selbst ein Verhalten zu finden, das völlig grundlos ist. Du wirst schnell merken: Es gibt keines.

Genauso ist es beim Hund. Analysieren wir also das Verhalten des Hochspringens.

Warum Hunde hochspringen – mögliche Gründe

Man könnte meinen, Hochspringen sei ein harmloses Thema – doch wehe, es trifft auf einen übermütigen Hund! Schon die Begrüßung wird schnell zum epischen Drachenkampf: Der Mensch versucht, Stand zu halten, während sich der Hund mit vollem Schwung nach oben katapultiert – Pfoten wie scharfe Schwerter, Freude wie ein Feueratem.

Während die Diskussionen darüber hitzig werden, wie man diesem „Drachen“ denn nun Herr wird, könnte alles eigentlich viel einfacher sein. Hochspringen ist ein Verhalten, das viele Hunde zeigen. Aber warum tun sie das?

Hier einige mögliche Ursachen:

  • Freude

  • Wunsch nach Begrüßung

  • Suche nach Aufmerksamkeit

  • überschüssige Energie

  • Aufregung oder Stress

  • Unsicherheit

  • Übersprungshandlung

  • Spielaufforderung

  • Frustration

  • Unsicherheit gegenüber Fremden

  • Territorialverhalten oder Abwehr („Bleib weg von meinem Grundstück“)

Begrüßen – ein soziales Bedürfnis

Schauen wir uns den Kontext der Begrüßung an:

  • Soziale Begrüßung: Hunde wollen – genau wie wir – Kontakt aufnehmen. Hochspringen ist ihre Art, unser Gesicht zu erreichen.

  • Freude und Erregung: Wiedersehensfreude äußert sich oft in körperlicher Bewegung.

  • Aufmerksamkeit suchen: Der Hund hat gelernt, dass Hochspringen Aufmerksamkeit bringt, auch wenn es Schimpfen ist.

  • Nachahmung: Hunde beobachten uns und übernehmen Verhaltensweisen (soziales Lernen).

Menschen begrüßen sich mit Händedruck, Umarmungen, Küsschen rechts und links, Lachen oder Reden – manchmal laut und euphorisch. Wir zeigen damit Freude, Nähe und Zugehörigkeit.

Und der Hund?
Er wird beim Eintreffen von Besuch oft ins Körbchen geschickt, ignoriert oder sogar gemaßregelt, bis er sich „beruhigt“ hat. Viele Trainer, Coaches oder Fernsehsendungen empfehlen genau dieses Vorgehen.

Doch was passiert dabei wirklich?

Ruhig im Körbchen – aber wirklich entspannt?

Nur weil ein Hund auf Befehl im Körbchen liegt, heißt das nicht, dass er innerlich ruhig ist. Häufig bleiben Stress, Frust oder Überforderung bestehen. Diese Emotionen sind keine gute Grundlage dafür, langfristig gelassen zu bleiben, wenn Besuch kommt. Die eigentliche Ursache wurde dabei nicht behoben. Wer logisch denkt, erkennt schnell:
👉 Der Hund wollte einfach nur begrüßen!

Wissenschaftlich belegt: Hunde lernen sozial

Studien, unter anderem vom Messerli-Institut der Veterinärmedizinischen Universität Wien, zeigen deutlich: Hunde sind zu sozialem Lernen (Modelllernen) fähig. Sie beobachten Menschen oder Artgenossen und übernehmen Verhaltensweisen, ähnlich wie Kleinkinder von ihren Eltern.

Dieses Verhalten ist evolutionär sinnvoll: In einer sozialen Gruppe ist es überlebenswichtig, sich am Verhalten anderer zu orientieren. So entsteht Sicherheit, Bindung und Vertrauen.

Doch während Kinder für ihr Nachahmen gelobt werden, wird es beim Hund häufig unterdrückt, bestraft oder verboten – etwa mit Befehlen wie: „Runter!“, „Aus!“, „Geh auf deinen Platz!“

Umleiten statt unterdrücken

Anstatt das Hochspringen zu verbieten, sollten wir verstehen, warum es passiert – und wie wir es umleiten können.

Die naheliegendste und effektivste Methode: Der Hund darf begrüßen.

Nein, er wird dadurch nicht „dominant“ oder „respektlos“. Er darf einfach soziales Verhalten zeigen. Genau wie wir.

So gelingt die Begrüßung entspannt

Der Schlüssel liegt in richtigem Timing, gutem Management und deinem Verhalten:

  • Alle Pfoten am Boden: Streicheln, loben, Kontakt erlauben. Begrüße deinen Hund also unten, bevor er hochspringt. Bleib ruhig, sprich freundlich, aber nicht aufgeregt.

  • Hochspringen passiert trotzdem: Warst du nicht schnell genug und der Hund ist bereits hochgesprungen? Dann kurz wegdrehen, bis alle Pfoten wieder am Boden sind, und ihn anschließend unten begrüßen.

  • Gemeinsam draußen abholen: Hole den Hund gemeinsam mit dem Besuch draußen ab. So verhinderst du, dass das Klingeln zum „Startschuss“ für Aufregung wird.

  • Reihenfolge beachten: Der menschliche Besuch darf erst den Hund begrüßen, dann die Menschen. So kann sich die Aufregung des Hundes abbauen. Keine Sorge – dadurch wird dein Hund nicht zu einem „unerzogenen Monster“.

Mit der Zeit lernt der Hund:
👉 „Besuch = ruhig bleiben = ich bekomme trotzdem Aufmerksamkeit.“

So entsteht nachhaltiges, entspanntes Verhalten – ohne Druck, ohne Frust, für Mensch und Hund gleichermaßen.

Dieses soziale Lernen ist ein wertvolles Geschenk, das wir im Alltag nutzen sollten – und nicht leichtfertig wegwerfen, indem wir Hunden Verhaltensweisen verbieten, die wir selbst auch zeigen.

💬 Zum Schluss

Wenn du Fragen hast oder selbst darüber nachdenkst, dich als Hundetrainer:in, Hundeverhaltensberater:in, Welpencoach oder Seniorencoach ausbilden zu lassen, melde dich gern!

In der Hundepfotenakademie bieten wir mehrere Ausbildungen an:

❤️ in einer starken Kombination aus Theorie, Praxis und mit ganz viel Herz für Mensch und Hund!

Deine Catharina

Illustration: Hundepfote
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